HISTORIE

Das Ganztagsgymnasium Johannes Rau feierte im Jahr 2006 ein bedeutsames Ereignis. Nach einer Schulgeschichte von 143 Jahren ist unsere Schule nach ihrem früheren Schüler Johannes Rau umbenannt worden. Wir freuen uns darüber, dass unser Gymnasium seitdem den Namen unseres ehemaligen Oberbürgermeisters, Ministerpräsidenten und Bundespräsidenten trägt.

1863

Das Datum 23.04.1863 kann als Beginn der Geschichte unserer Schule angesehen werden. Zu diesem Zeitpunkt wurde eine Höhere und niedere Gewerbeschule in Barmen mit 127 Schülern in 5 Klassen und mit 6 Lehrern eröffnet. Durch die florierende textilverarbeitende Industrie stieg die Bevölkerungszahl und damit auch die Nachfrage nach Bildungseinrichtungen für das Bürgertum in Barmen rasant an.

Entsprechend fand die Schule großen Zuspruch, so dass bereits 1867 der Umzug von dem Standort Auf dem Bollwerk in ein neues Gebäude an der Gewerbeschulstraße nötig war. Das Besondere an dieser Schule war, dass sie allgemeine und fachliche Bildung mit einander kombinierte. Neben Fächern wie Französisch, Gesang und Kunst standen Maschinenlehre und Bauzeichnen.

1898 wurde die Schule dann aber aufgeteilt. Die Fachklassen wurden der Königlichen Maschinenbauschule zugewiesen, während der allgemeinbildende Zweig zur Realschule wurde.

Siegesstraße

Der Teil des Schulgebäudes an der Siegesstraße, den wir heute als Altbau bezeichnen, wurde 1903 fertig gestellt. Hierhin zog die Realschule von der Gewerbeschulstraße, weil das alte Gebäude nicht mehr groß genug war, und hieß jetzt Realschule an der Siegesstraße.

Im Gegensatz zu humanistisch geprägten Gymnasien, die aus den Latein- und Gelehrtenschulen entstanden, lag hier der Schwerpunkt auf den Naturwissenschaften. Eine Studienfahrt nach England und internationale Fachliteratur überzeugten Schulleiter Dannemann davon, Schüler zunehmend zu eigenen Beobachtungen und Experimenten anzuleiten.

1922 wurde sie zur Deutschen Oberschule, die ab 1926 mit dem Ausbau der Oberstufe begann. Im Gegensatz zur Realschule wurden hier nun sprachliche und musische Fächer besonders betont.

Nach Französisch konnten die Schüler als zweite Fremdsprache Englisch oder Latein wählen, letztere Sprache war ja Voraussetzung für viele akademische Studiengänge. 1923 wurde das Orchester gegründet und wurde zum Mittelpunkt des Musiklebens der Oberschule, eine Tradition, die bis heute bewahrt werden konnte.

Ronsdorf

Am 12.04.1930 wurde die bis dahin selbstständige Ronsdorfer Rektorratsschule aufgelöst, und ihre Klassen wurden der Deutschen Oberschule an der Siegesstraße angegliedert. Da in Ronsdorf aber Koedukation bestand, konnten nur die Jungen nach der Klasse 8 auf die Siegesstraße überwechseln.

Finstere Zeiten

Eine Schulreform im Jahre 1933, dem Jahr der Machtübergabe an die Nationalsozialisten, führte zur Vereinheitlichung aller höheren Schulen zu Oberschulen mit gänzlich veränderten Unterrichtsinhalten.
1935 erfolgte die namentliche Umwandlung als Oberschule für Jungen mit Förderklassen zur Ernst-Moritz-Arndt-Schule. Ernst Moritz Arndt (1769 – 1860) war ein Lyriker, der sich nicht nur als Demokrat, sondern leider auch als Nationalist und Antisemit einen Namen machte.
Schulleiter Günther, der seit 1921 die Schule fortlaufend reformiert hatte, indem er z.B. vielen Schülern über Förderklassen den Besuch der Oberstufe ermöglichte, wurde 1938 als ?nicht mehr tragbar? angesehen und in den Ruhestand versetzt.
Der Luftangriff auf Barmen während des 2. Weltkrieges im Jahr 1943 fügte dem Schulgebäude schwere Schäden zu. Dachstuhl und Aula wurden durch Feuer vernichtet, und die Turnhalle wurde vollständig zerstört. Im August 1943 erfolgte eine Verlegung der Schule mit 255 Schülern und der Mehrzahl der noch verbliebenen Lehrer nach Weimar.

Erneuerung

Schon am 01.10.1945 begann in dem notdürftig hergerichteten Gebäude an der Siegesstraße wieder der Unterricht. Aus verschiedenen Schulen entstand dort eine Vereinigung zum neu gegründeten Neusprachlichen Gymnasium.

Wesentliche Veränderungen in den letzten 50 Jahren seien nun kurz aufgelistet:

  • Sowohl 1968 als auch 1983 erhält die Schule Erweiterungsbauten.
  • 1969 wird beginnend mit den Klassen 5, 9 und 11 die Koedukation eingeführt, was eine geschlossene Weiterführung der Ronsdorfer Klassen ermöglicht.
  • 1972 tritt die Schule in die 1. Versuchsgruppe zur Erprobung der differenzierten Oberstufe ein.
  • 1986 wird der Ganztagsbetrieb aufgenommen.
  • 1996 erhält unser Gymnasium die Auszeichnung Schule Ohne Rassismus, als Schirmherrin fungiert Pina Bausch.
  • Nachdem Schülerinnen und Schüler über 600 Unterschriften gesammelt haben und die Schulkonferenz einer Umbenennung unseres Gymnasiums mit überwältigender Mehrheit zugestimmt hat, beschließt der Schulausschuss am 14.03.2006, dass unsere Schule den Namen Städtisches Ganztagsgymnasium Johannes Rau offiziell führen darf.
  • Im Frühjahr 2010 wird unsere Schule mit dem Gütesiegel für Individuelle Förderung ausgezeichnet.
  • Am 8. November 2012 wird die frisch renovierte Aula mit einem Festakt wiedereröffnet.
  • Im Herbst 2012 beschließen die Lehrer- und die Schulkonferenz die Bewerbung als UNESCO-Schule. Seitdem führt uns die UNESCO-Kommission als interessierte Schule im Netzwerk der UNESCO-Projektschulen.

Johannes Rau

Porträt J. Rau
Bild: Gowsala Shanthakumar

In der Zeit vom 08.01.1947 bis zum 30.09.1948 war unser Namensgeber Johannes Rau Schüler unserer Schule. Zu diesem Zeitpunkt besuchten 692 Schüler, die von 36 Lehrern unterrichtet wurden, die Schule.

Er verließ das Gymnasium aus der Klasse 0 III b, um einen Beruf zu ergreifen. Seine Verbundenheit mit unserer Schule hat er bis in die neunziger Jahre durch mehrfache Besuche zum Ausdruck gebracht. Ebenso fand ein regelmäßiger Kontakt mit seinen ehemaligen Klassenkameraden statt.

Mit der Benennung unserer Schule nach ihm wollen wir eine Person ehren, die als Politiker und als Mensch vorbildhaft gewirkt hat.

Seine Aussage „Versöhnen statt spalten, den Anstand wahren, zusammenführen und den Grenzen ihren trennenden Charakter nehmen, Gräben zuschütten – bleibt meine Lebensmelodie“, die seiner Stellungnahme anlässlich seiner Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten der Bundesrepublik Deutschland im November 1998 entnommen ist, passt zu unserem Ganztagsgymnasium mit Schülerinnen und Schülern aus über 40 Nationen im besonderen Maße.

Integration ist eines unserer wichtigsten Erziehungsziele, das unsere pädagogische Arbeit bestimmt. Wir wollen dazu beitragen, dass das Miteinander unser Zusammenleben bereichert.

Wir hoffen, dass der Geist von Johannes Rau, der durch Offenheit, Menschenfreundlichkeit, Vermittlung und von der Achtung vor der Würde des Menschen bestimmt war, unser Denken und Handeln nachhaltig prägt.

 

Das Porträt wurde der Schule gestiftet von Gowsala Shanthakumar (http://www.portrait-gojas.com)